Burg Fischhausen
Hooksieler Hafen
Zum schwarzen Bären
Holzblock
Passport
Hooksiel damals und heute
Kompass

„Suur Melk up Backer Harberts sin Kopp"

Meine kleine Erzählung spielte sich in den 20er Jahren in meinem Elternhaus ab. Handwerker und Geschäftsleute waren damals in Hooksiel recht aktiv und viele Vereine belebten den Ort.

So wurde auch ein Instrumental-Verein gegründet. Leiter war ein Lehrer Eilers von der damaligen Bohnenburger Schule. Einige Namen der Musiker, die wohl alle wenig Notenkenntnis hatten, also von der Pieke auf lernen mussten, sind mir noch in Erinnerung geblieben.
Willi Buss, Otto Kröplin, Hanni Kröplin - Geige.
Johann Hilmer, Albert Harberts - Bratsche.
Jacobus Buss, Emil Buss - Cello.
Paul Bernefeld - Baß

Das erste Lied, welches sie spielen konnten, war der Gesang „Tochter Zion" und deswegen hießen sie auch „Tochter- Zion-Verein." Die Übungsabende fanden bei Egts oder Julfs im Saal statt. 1929 hatten wir ja den recht eisigen Winter. Bäckermeister Buss hatte sich bereit erklärt, an einem Sonntagnachmittag seine Stube zum Üben zur Verfügung zu stellen, denn die eisernen Öfen im Saal brachten nicht genug Wärme. Mein Vater bereitete unseren altdeutschen Torfbackofen zum Heizen vor. Der Torf wurde auf dem Herd gelagert und die Glut blieb über Nacht im Backofen. Diese „Doofkohle", die dann übrigblieb, wurde morgens aus dem Backofen geholt und heizte unseren Küchen- und Ladenofen. Meine Mutter holte sich die Nähmaschine in die Küche. Es war eine sparsame Zeit. Sie schnitt die Bettlaken in der Mitte durch, sodaß die dünnen Stellen an die Seiten kamen und noch eine Zeitlang hielten. Ich spielte mit einem Kaufmannsladen, den ich zu Weihnachten bekommen hatte. Vater kam, fertig angezogen mit seiner Bratsche und den Noten, um sich zu verabschieden. Seine Haare waren schon früh recht schütter, aber er wusste die kahlen Stellen gut zu verdecken. „Oh, sagte meine Mutter, Du hest dien Hoor wuschen, nu stoh`t se to Barg, as bie so`n Haferflocken-Baby up de Paketen, de`t in`t Aw`thek (Apotheke) giwt." Fit und Flot gab es damals noch nicht. Mein Vater wusste sich zu helfen. „ Mien Mutter hett sük immer Melk in`t Hoor dohn und dat mok ick ok."

Gesagt, getan, Milch auf den Kopf und die Haare lagen. Nun konnte es losgehen. Falls er um 19 Uhr nicht zurück sein sollte, sollte meine Mutter das Feuer im Backofen anzünden. Schon an der Tür, kam er noch einmal zurück. Er hielt eine Schachtel „Hachez-Pralinen" in der Hand und sagte: „De will ick man mitnehmen für de Damen!" „Ja, sagte meine Mutter, dat is de düerste (Beste). Du harst doch „Trumpf-Pralinen" nehmen künnt." „Ick lat mie nich lumpen," rief er und weg war er. Mutter und ich machten uns einen gemütlichen Nachmittag. Draußen stürmte und schneite es. Gegen 18.30 Uhr kam mein Vater zurück. Als er in die Küche kam, schnupperte meine Mutter und rief: Kumm hier erst eben her, wat ruchst (riechst) du komisch. Er kam näher und sie brach in lautes Gelächter aus. „De Melk up dien Kopp is suur wurden." Sie konnte sich gar nicht wieder beruhigen. „Nu kann ick mie ok denken, warüm de Damen immer wieder von mie weggungen," sagte Vater. „Jo, sagte meine Mutter, gegen suur Melk up dien Kopp komt ok de besten Hachez-Pralinen nich an."



© 2015 Ein Projekt der T4 Consulting, die regionale Medienagentur für das Wangerland.|  ˆ nach oben